Wilder Wald bleibt!

Waldretter*innen Wilhelmsburg

Wir sind immer noch überwältigt, wieviel Unterstützung der WiWa bei der Anhörung bekommen hat! Wir danken euch für euer Erscheinen, eure großartigen Redebeiträge und eure Solidarität.

Eure Waldretter*innen

Ein Bericht und Fotos von der Anhörung sind in Arbeit!


Am Tag vor der Anhörung haben wir noch eine Presseerklärung verschickt:

Bausenatorin droht zur Durchsetzung des Bebauungsplans Wilhelmsburg 102 („Spreehafenviertel“) mit dem Mittel der Evokation

Das Bündnis WiWa bleibt!, die Hamburger Naturschutzverbände und viele Wilhelmsburger*innen setzen sich seit mehr als acht Jahren für den Erhalt des 10 Hektar großen Wilden Waldes am nördlichen Rand des Reiherstiegviertels ein. So auch die am längsten engagierte Initiative Waldretter*innen Wilhelmsburg.

Mitglieder der Initiative mussten kürzlich im Gespräch mit der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein (SPD), erfahren, dass auch für dieses (IBA-)Projekt die Evokation im Raum steht: „Wir als Senat werden das Projekt im Falle des Scheiterns einer Abstimmung in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte evozieren“, so die Senatorin. Die Umsetzung des „Spreehafenviertels“ – und somit die Rodung des Wilden Waldes – stehe nicht mehr zur Diskussion.

Evokation bedeutet, dass der Senat die Entscheidung über ein bezirkliches Bauvorhaben an sich zieht. Der Senat evoziert immer dann, wenn ein Bezirk nicht in seinem Sinne entscheiden will. Die eigentlich zuständige Bezirksversammlung wird also entmachtet. Im Zusammenhang mit dem „Spreehafenviertel“ beträfe dieses Vorgehen den Bezirk Hamburg-Mitte.

Noch im Oktober 2025 hat Simone Dornia, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Bürgerschaftsfraktion, in ihrem Statement zum sogenannten Hamburger Wohnungsbau-Turbo betont: „Die Bezirke bleiben dabei unverzichtbare Entscheidungsträger mit ihrer Expertise vor Ort. Klar ist: Hamburg wird keine unkontrollierte Ausweitung auf Naturflächen zulassen, sondern die Innenentwicklung gezielt vorantreiben“. Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zu der von Senatorin Pein jetzt gegenüber den Waldretter*innen getätigten.

Was bedeutet das für die Expert*innen-Anhörung zum Wilden Wald?

Im Angesicht der morgigen, vom Hauptausschuss der Bezirksversammlung angesetzten Öffentlichen Expert*innen-Anhörung zum Wilden Wald/„Spreehafenviertel“ zeugt die Aussage der Senatorin ganz konkret von Missachtung der bezirklichen Verwaltung und ihrer Verfahren und von mangelndem Respekt gegenüber demokratischen Instrumenten und engagierten Bürger*innen.

Mit jeder Evokation eines Bezirks-Beschlusses wird die Entscheidungshoheit der Hamburger Bezirksversammlungen schwer in Frage gestellt. Regelrecht negiert wird sie aber, wenn die Evokation schon vorausgesetzt wird, obwohl der Entscheidungsprozess noch mitten im Lauf ist. Das wertet tatsächlich alle politischen, fachlichen und formalen Bemühungen der bezirklichen Organe und aller Beteiligten (TÖB, lokale Initiativen, engagierte Bürger*innen) herab. Auch und gerade die Öffentliche Anhörung, die ja ganz explizit der Meinungsbildung auf allen Seiten und einer konstruktiven Diskussion dienen soll.

Wider besseres Wissen

Unserer Ansicht nach ist das Ansinnen der Evokation zum Thema Wilder Wald ein weiteres Beispiel für die Arroganz der Mächtigen in der Freien und Hansestadt Hamburg. Außerdem stellt sie ein weiteres Exempel von Machtdarstellung wider besseres Wissen dar, weil sie ein schweres Vergehen am gesetzlichen Natur- und Klimaschutz sowie an der Novelle des Grundgesetzes zur Umwelt- und Generationengerechtigkeit aus dem Jahr 2021 wäre.

Denn mit der jetzigen Androhung einer Evokation durch den SPD-dominierten Senat werden sämtliche Erkenntnisse aus den in Auftrag gegebenen Expertengutachten, den Stellungnahmen der Arbeitsgemeinschaft der Hamburger Naturschutzverbände und sogar die Einschätzung der eigenen Umweltbehörde zum Wilden Wald kurzerhand vom Tisch gewischt. Mit dem Durchdrücken des Bebauungsplans Wilhelmsburg 102 würde der Senat die Rodung eines der letzten Pionier-Wälder Hamburgs zustimmen.

In den hauseigenen Biokartierungen von 2010 und 2019 wird dem Wilden Wald eine „sehr hohe Bedeutung in einem Biotopkomplex, für den lokalen Biotopverbund oder als Puffer“ bescheinigt. Er gilt als „seltener Biotoptyp“, in dem es seltene oder bedrohte Pflanzenarten sowie einige Tierarten, die auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten zu finden sind gibt.

Es gibt Alternativen!

Für Alternativen im Wohnungsbau, gerade in der Innenentwicklung, zeigt sich der Senat wiederholt blind und hält selbst nicht inne bei Bauprojekten, die offensichtlich konträr zu den eigenen Zielen im Natur- und Klimaschutz stehen. Seit mittlerweile neun Jahren weisen die Waldretter*innen Wilhelmsburg gemeinsam mit den Hamburger Naturschutzverbänden (u.a. NABU, Botanischer Verein, SDW und BUND) darauf hin, dass es zahlreiche Alternativen im Bereich der Innenentwicklung und Nachverdichtung im Wohnungsbau gibt.

Die Umwandlung von Gewerbe- und Büroflächen, die Nutzung von Hafenflächen, die aufgeständerte Überbauung von Parkplätzen und eingeschossigen Supermärkten sowie die Priorisierung des „Masterplans Magistralen“ wären, so auch die Meinung aus Kreisen von Wissenschaftler*innen und Stadtplaner*innen, die geeigneten Mittel zur Vermeidung von weiteren Flächenversiegelungen.

Wo bleibt der Aufschrei?

Wir Waldretter*innen fragen uns: Wo bleibt der Aufschrei aller Abgeordneten der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, wenn ihnen ihre vornehmen Rechten zur Flächennutzungs- und Bebauungsplanung vom Hamburger Senat genommen werden sollen? Wo bleibt der Widerstand in der Bürgerschaftsfraktion der GRÜNEN gegen die Naturzerstörung? Auch die GRÜNEN-Basis zeigt an vielen Stellen großes Unverständnis über die erschreckende Diskrepanz zwischen dem Wahlprogramm 2025 und dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und GRÜNEN in Hamburg.

Waldretter*innen Wilhelmsburg, 2. Januar 2026


Jede Stimme zählt! Öffentliche Anhörung: Wilder Wald oder „Spreehafenviertel“? am 3. Februar

Jetzt gilt es, gemeinsam ein Zeichen zu setzen!

Zur Frage, ob der Wilde Wald für das „Spreehafenviertel“ gerodet werden soll, sind Expert*innen und Bürger*innen zu einer Anhörung am 3. Februar 2026 vor dem Hauptausschuss der Bezirksversammlung eingeladen

Winter-WiWa von oben. Foto: Horst Dillmann

Der Kampf um Flächen und ihre Nutzung, um Naturschutz und Wohnungsbau spitzt sich im gesamten Stadtgebiet zu. Seit mehr als sieben Jahren ringen wir vom Bündnis WiWa bleibt! gemeinsam mit den Umweltverbänden und anderen Naturschützer*innen mit der Politik um die geplante Bebauung des WiWa bzw. um ihre Verhinderung. Im Spätsommer des vergangenen Jahres stellten die Umweltverbände in einem Gutachten fest, die „Planungen im Bereich des Wilden Waldes“ seien mittlerweile „ein hochumstrittenes Politikum“.

Einige engagierte Bezirkspolitiker*innen (aus der Opposition) und Mitglieder unseres Bündnisses überlegten daraufhin, wie der Konflikt für eine größere Öffentlichkeit auf der politischen Bühne noch einmal dargestellt werden könnte. Wir kamen auf die Idee, eine öffentliche Anhörung im Bezirk zu initiieren. Diese Anhörung findet nun – nach einigem internen Politikgerangel, in dessen Folge der Opposition die Antragstellung von der Regierungskoalition aus der Hand genommen wurde – am 3. Februar 2026 statt.

Worum geht es bei der Anhörung?

Ganz offensichtlich hält die Stadt Hamburg an den Plänen für das „Spreehafenviertel“ fest. Neuerdings beruft sie sich dabei auf das Senatskonzept „Sprung über die Elbe“, das bereits unter Ole v. Beust an den Start gebracht wurde und bis heute gilt. Zu diesem „Sprung“ gehört u. a. die sogenannte Nord-Süd-Achse. Sie verläuft zwischen dem Wilhelmsburger Rathaus und dem Spreehafen und soll mit drei Quartieren bebaut werden; insgesamt rund 6.000 Wohneinheiten plus Büros, Gewerbe, Sportanlagen und Kitas. Zwei Quartiere werden auf der Trasse der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße gebaut – eines nicht: das „Spreehafenviertel“. Das soll dort gebaut werden, wo jetzt der Wilde Wald ist. Nun wird behauptet, der „Sprung über die Elbe“ könne ohne das „Spreehafenviertel“ nicht funktionieren. Abgesehen davon, dass der ganze „Sprung“ ein sehr zweifelhaftes Projekt darstellt, ist das bodenloser Unsinn, denn spätestens seit 2009 wird vom Kleinen Grasbrook bis nach Neugraben gebaut und geplant wie verrückt!

Die konkrete Frage lautet: Ist es tatsächlich notwendig, im Rahmen einer so großflächigen Baumaßnahme wie der Nord-Süd-Achse auch die einzige Waldfläche auf dem Gebiet zu bebauen?

Diese Frage, ob der Wilde Wald erhalten bleiben oder das „Spreehafenviertel“ gebaut werden soll, ist der gesellschaftliche und politische Konflikt, um den es bei der Anhörung geht.

Westlicher WiWa vom gegenüberliegenden Ufer aus fotografiert. Foto: Sigrun Clausen

Wie funktioniert die Anhörung?

Es ist eine öffentliche Expert*innen-Anhörung. Die Anhörung findet vor der Öffentlichkeit statt – alle Bürger*innen können dort hingehen. Mehr noch: Die Anhörung soll der Meinungsbildung in der Gesellschaft dienen – und die Politiker*innen sollen sich tiefergehend über kontroverse Themen informieren und die Forderungen der Bürger*innen kennenlernen. (Na, da helfen wir doch gern!)

Alle Parteien der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte können sich zu dem Thema Expert*innen aus unterschiedlichen Fachgebieten einladen. Zur Frage „Wilder Wald oder ,Spreehafenviertel‘?” haben die Parteien Fachleute aus den Bereichen Natur- und Klimaschutz, Stadtplanung und Architektur, Umweltgerechtigkeit sowie Vertreter*innen von der IBA und aus der Umweltbehörde eingeladen.

Die Expert*innen tragen die Argumente – entweder für den Walderhalt oder für das Baugebiet oder vielleicht auch für eine Kompromisslösung – vor. Danach können alle Anwesenden Fragen zum Thema und zu den Argumenten der Expert*innen stellen, diese ergänzen und eigene Argumente vorbringen. Auch DU!

Wichtig zu wissen ist: Auf einer Anhörung wird nichts entschieden. Wohl aber können wir den Entscheider*innen aus Politik und Verwaltung deutlich machen, was wir von ihren Plänen halten und wie die Stimmung vor Ort ist.

Es ist wichtig zur Anhörung zu kommen, weil:

  • das eine Möglichkeit ist, Politiker*innen und Entscheider*innen zu zeigen, was uns als Bürger*innen wichtig ist.
  • wir als Bürger*innen dort sehen können, ob unsere Anliegen ernst genommen werden.
  • wir den Politiker*innen unsere Forderungen deutlich machen und so möglicherweise Einfluss auf deren Entscheidungen nehmen können.
  • wir nur gemeinsam stark sind.
  • es gerade in der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Siuation wichtig ist, alle noch verbliebenen demokratischen Instrumente wahrzunehmen und zu nutzen.
  • es um unser Lebensumfeld, unsere Lebensqualität und unsere Umwelt geht.
  • wir mit unserer Anwesenheit zeigen: „Wir schauen euch Herrschenden auf die Finger!“

Öffentliche Expert*innen-Anhörung vor dem Hauptausschuss des Bezirks Hamburg-Mitte

Dienstag, 3. Februar 2026
17.30 Uhr
Bezirksamt Hamburg-Mitte
Sitzungssaal, 11. Etage
Caffamacherreihe 1 – 3, 20355 Hamburg


Jeder Baum zählt – keine Teilrodung im WiWa!

Tauschhandel oder Salamitaktik? 800 Quadratmeter Wald sollen, angeblich für die Erweiterung eines Firmengeländes, gerodet werden

Zu Beginn des Jahres erreichte uns aus sicherer Quelle die Information, dass eine an den Wilden Wald grenzende Firma ihr Betriebsgelände erweitern und dafür eine benachbarte Teilfläche des Waldes roden wolle. Nachforschungen ergaben, dass das stimmt.

Mittlerweile hat der Vorgang seinen offiziellen Weg genommen und steht kurz vor der Entscheidung. Es handelt sich um die Firma „BM Bau“ an der Schlenzigstraße 16, die sich um rund 800 Quadratmeter in den WiWa hinein vergrößern möchte. Das Waldstück gehört der Stadt Hamburg, es wird vom Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) verwaltet. Das Interessante: Der LIG bietet es der Firma im Tausch gegen einen kleineren Zipfel ihres Betriebsgeländes an.

Das grüne Dreieck (Wilder Wald) bietet der LIG der Firma „BM Bau“ im Tausch gegen das pinkfarbene Dreieck (Firmengelände) an.
Abb.: Landschaftspflegerischer Begleitplan für die Maßnahme/„EGL GmbH“

Die Begründung für den Antrag ist verworren

In der Standortbezogenen Vorprüfung des Einzelfalls heißt es zur Begründung für das Vorhaben: „Vom Eigentümer [der Firma ,BM Bau‘] wird eine Erweiterung des Betriebsgeländes gewünscht, weil das Unternehmen stark gewachsen ist und dringend Lagerfläche für Baumaschinen und Baumaterialien benötigt.“

Wenn das alles wäre, müsste eigentlich die Firma der Stadt das Gelände abkaufen und dann die Rodungs- und Baugenehmigung beantragen. Es ist aber anders. Einige Zeilen vorher, gleich zu Anfang, heißt es nämlich: „Der LIG möchte dem Eigentümer des benachbarten Flurstücks 7940 [,BM Bau‘, Betriebsgelände] diese Teilfläche zum Tausch gegen die westliche Spitze seines Grundstücks anbieten.“ Warum? Weil die westliche Spitze des Firmengeländes für das „Spreehafenviertel“ (B-Plan Wilhelmsburg 102) benötigt wird! In die Bebauungspläne für das „Spreehafenviertel“ ist der Flächentausch sogar schon eingezeichnet.

Funktionsplan Spreehafenviertel (Auszug). Zu sehen ist rot umrandet die Fläche, wie sie zur Firma „BM Bau“ gehören würde, wenn der Grundstückstausch vollzogen wäre.
Abb.: IBA GmbH, BIWERMAU Architekten Hamburg, WES Landschaftsarchitektur Hamburg/Oyten/Berlin, SBI Verkehrsplanung Hamburg, BWS Hamburg

Nun ist aber das „Spreehafenviertel“ noch gar nicht genehmigt! Das Bebauungsplan-Verfahren läuft noch immer. Da stellt sich dann schon die Frage, worum es hier eigentlich geht: Wirklich „nur“ um eine schon länger gewünschte Vergrößerung eines Betriebsgeländes? Oder ist es doch eine Salamitaktik zur Flächenfreimachung für das „Spreehafenviertel“, indem man lauter kleine Teilstücke des Waldes unter fadenscheinigen Begründungen zu roden beginnt?

So oder so, die Umweltverbände aus der AG Naturschutz kommen in ihrem mehrseitigen Gutachten (das uns vorliegt) zu dem Schluss: „Die Rodung der o. g. Teilfläche des Wilden Waldes in Wilhelmsburg ist konsequent abzulehnen. [ … ] Generell sind die Planungen im Bereich des Wilden Waldes ein hochumstrittenes Politikum. Insofern wird von uns auch eine Salamitaktik zur Beseitigung des Waldes strikt abgelehnt.“


Protestaktion gegen die geplante Teil-Rodung im WiWa …

… und was dann geschah: Bei einer Kundgebung unseres Bündnisses„WiWa bleibt!“ versprach die neue Umweltsenatorin Katharina Fegebank, „zeitnah“ in den WiWa zu kommen und mit uns zu sprechen

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Der Harburger Bezirksamtsleiter Christian Carstensen und Senatorin Katharina Fegebank begrüßten die geladenen Gäste des behördlichen Waldrundgangs in den Harburger Bergen. Wir hatten uns mit rund 40 Menschen ebenfalls am Ort eingefunden. Vor der offiziellen Begrüßung entspann sich eine kurze, lebhafte Diskussion zwischen der Umweltsenatorin und uns. Foto: Waldretter*innen Wilhelmsburg

Als die Umweltsenatorin in ihrem elektrischen Dienstwagen vorfährt, sind wir schon da: Gut 40 Menschen von Umweltinitiativen aus dem Hamburger Süden. Wir protestieren hier, auf dem Parkplatz Kärntner Hütte am Fuß der Harburger Berge, wie so oft gegen die Rodung des WiWa für das Neubaugebiet „Spreehafenviertel“ – und diesmal speziell gegen die drohende Teilrodung von 800 Quadratmetern (s. o.). Katharina Fegebank möchte an diesem Ort gleich zu einem offiziellen Waldspaziergang mit geladenen Teilnehmer*innen aus Politik, Försterei und Umweltverbänden aufbrechen, unter der Fragestellung: „Krank oder vital – wie geht es dem Hamburger Wald?“

Kurzer Schlagabtausch …

Doch zunächst kommt Frau Fegebank zu uns herüber und guckt, was wir wollen. Die Umweltsenatorin und wir liefern uns einen kleinen Schlagabtausch. Gerade ist bekannt geworden, dass die Umweltbehörde der vorgezogenen Rodung der 800 Quadratmeter Wald aller Wahrscheinlichkeit nach zustimmen wird. Das ist aus unserer Sicht nichts weiter als Doppelmoral und Greenwashing. Die BUKEA lädt zum PR-Waldspaziergang und macht sich angeblich Sorgen um die Vitalität und Gesundheit der Hamburger Wälder. Gleichzeitig will sie die Rodung im Wilden Wald genehmigen. Da ist „krank oder vital“ dann doch sowieso egal.

… und dann ein Angebot

Die Zeit drängt. Gleich soll die offizielle Waldbegehung starten, die geladenen Gäste sind mittlerweile vollständig eingetroffen. Da sagt Katharina Fegebank kurzerhand zu, in naher Zeit den WiWa zu besuchen und sich unsere Argumente in Ruhe anzuhören. Danach gehen die beiden Grüppchen wieder auf Abstand.

Der Harburger Bezirksamtsleiter Christian Carstensen hebt zur Begrüßung an, Malte Siegert, der NABU-Vorsitzende, wechselt schnell noch demonstrativ die Seiten und stellt sich mitten zwischen uns. Eine gute Geste, die zeigt: Der NABU steht hinter uns, ebenso wie die anderen Umweltverbände. Nachdem noch die Worte „Baum“, „Emotionalisierung“, „Wohnungsbau“ und der unvermeidliche „Zielkonflikt“ gefallen sind, sagt Staatssekretärin Stefanie von Berg energisch: „Jetzt möchten wir dann aber wirklich nur die geladenen Teilnehmer zur Begehung bitten“ und dann zuckeln sie los und bald sind wir auf dem Parkplatz wieder unter uns.

Wir sind trotz allem noch einmal gesprächsbereit

Bereits am nächsten Tag haben wir eine freundliche Einladung mit der Bitte um einen konkreten Terminvorschlag an die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrar (BUKEA) rausgeschickt. Wir nehmen Frau Fegebank beim Wort und wir erwarten, dass es eine argumentative Begegnung auf Augenhöhe wird. Klar ist uns bewusst, dass die Entscheidung schon so gut wie gefallen ist – jedenfalls für die 800 Quadratmeter – und klar wissen wir, dass es den Politiker*innen in solchen Gesprächen meist nicht um das ehrliche Überprüfen ihrer Pläne geht, sondern um das bessere Verkaufen derselben und um die Befriedung eines Konflikts mit den Bürger*innen.

Überhaupt misstrauen wir den Grünen wieder zutiefst, seit sie uns bei der letzten Bürgerschaftswahl und der anschließenden Regierungsbildung noch mal so richtig übel mitgespielt haben: Im Wahlkampf sprachen sie sich definitiv für den Erhalt des WiWa und gegen den Bau des „Spreehafenviertels“ aus, legten dies sogar schriftlich in einem potenziellen Regierungsprogramm nieder – um dann in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD (wieder einmal) umzukippen und nun dem Bau des „Spreehafenviertels“ sogar Priorität einzuräumen, so steht es im Koalitionsvertrag; eine Aussage, der sich auch die bezirklichen Grünen anschlossen.

Dennoch haben wir uns noch einmal zur Gesprächsbereitschaft entschlossen. Nun warten wir auf den WiWa-Besuch der Senatorin.

Übrigens prüfen wir außerdem rechtliche Schritte für den Fall, dass die Fällgenehmigung für die 800 Quadratmeter Wilden Wald tatsächlich erfolgt. Eine „einstweilige Verfügung“ dagegen zu erwirken, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Zudem haben wir den WiWa seit Beginn der Rodungssaison am 1. Oktober wachsam im Blick.

Da(s) ist der Wilde Wald

Unser Film über den WiWa: „… und ich habe sogar schon mal den Eisvogel gesehen.“