Aktuell

Unsere Aktion: Erfolgreich Müll gesammelt

Das hat sich gelohnt!

Die Waldretter luden zum Müllsammeln im Wilden Wald
am Ernst-August-Kanal ein

„Jetzt sieht man gleich viel besser, wie schön dieser Wald eigentlich ist“, sagte Waldretterin Regina glücklich, als sie sich nach getaner Arbeit noch einmal im Westteil des Wilden Waldes umsah.

Der Wilde Wald in Wilhelmsburg ist einer der ältesten Spontanwälder Hamburgs, möglicherweise sogar der älteste.

Eigentlich hatten die Müllsammler*innen sich vorgenommen, den Wald komplett bis zur Schlenzigstraße vom naturschädigenden Müll zu befreien – doch schon im Dreieick bis zur Georg-Wilhelm-Straße gab es so viel zu tun, dass bis zum Dunkelwerden erstmal nicht mehr ging.

Die Waldretter wollten mit der Aktion nicht nur dem wichtigen Pionierwald im Norden Wilhelmsburgs etwas Gutes tun – sie wollten auch darauf aufmerksam machen, dass dieses wertvolle Stück Stadtnatur akut von der Rodung bedroht ist. Denn dort soll nach dem Willen von Senat und IBA gebaut werden.

Seit dem Bekanntwerden der Pläne im Herbst 2017 kämpfen aktive Bürger*innen für den Erhalt des einzigartigen Waldes, der nach der Flutkatastrophe von 1962 in großen Teilen unberührt emporgewachsen ist. Eine solche spontane innerstädtische Waldentwicklung in mehr als 50 Jahren ist aus Naturschutz-Sicht eine Sensation!

Die Waldretter fordern den Erhalt des Waldes und ein grundsätzliches Innehalten in der chaotischen, ungesteuerten und naturvernichtenden Baupolitik der Stadt Hamburg auf Wilhelmsburg.


Vogelführung durch den Nachtigallenwald mit Andreas Zours:

„Wie, das alles soll weg, bis hierhin?“

Wer die Gegebenheiten vor Ort kennen gelernt hat, kann tatsächlich kaum begreifen, wie die Vernichtung eines solchen ökologischen Schatzes politisch gewollt sein kann.

Den Zilpzalp werden die TeilnehmerInnen der Waldretter-Vogelführung künftig sicher im allgemeinen Gezwitscher erkennen können – und vielleicht hören sie auch den Zaunkönig heraus. Letzterer nistet gerne im Wurzelwerk umgestürzter Bäume, wie sie nach den letzten Stürmen zahlreich in den Wäldern am Ernst-August-Kanal zu finden sind.

Dank der einzigartigen Art, wie Vogelkundler Andreas Zours die Vogelstimmen nachahmt und das Gehörte mit Anekdoten aus dem vielfältigen Verhaltensrepertoire der Vögel verbindet, vergingen zwei Stunden wie im Fluge. Während unsere kleine Gruppe sonntäglicher Frühaufsteher am Sonnteg (21. April) den Waldrand entlang schlenderte, flog ein Graureiherpaar über den Ernst-August-Kanal, und wir konnten einen actionreichen Kampf zwischen rivalisierenden Bläßrallen beobachten.

Die Nachtigall ist in diesem späten Frühling zwar noch nicht in den „Nachtigallenwald“ zurück gekehrt, nicht zu überhören war aber der Reviergesang der Singdrossel, mal unterbrochen vom Gezeter aufgeregter Blau- und Kohlmeisen, mal vom Flöten der Mönchsgrasmücken und Rotkehlchen. Wie zum Abschiedsgruß zeigte sich am Ende sogar noch ein Gimpel (Dompfaff) in knallrotem Sonntags- bzw. Hochzeitsstaat, der unter den gestrengen Augen seiner Gattin eifrig Nistmaterial in den Pappeln am Kanal sammelte.

Beim intensiven in den Wald hinein Lauschen öffnete der Spaziergang die Augen dafür, was auf den ersten Blick vielleicht nicht so ersichtlich ist: Welch ein vielfältig bewohntes Stückchen Natur hier über Jahrzehnte mitten in der Stadt gewachsen ist. Entsprechend stand einigen Teilnehmern das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als wir vom Deichübergang kommend die Schlenzigstraße erreicht hatten und damit einmal das gesamte Planungsgebiet Spreehafenviertel abgelaufen hatten: „Wie, das alles soll weg, bis hierhin?“, fragte eine Teilnehmerin ungläubig. Wer nicht nur auf einen Stadtplan geschaut, sondern die Gegebenheiten vor Ort kennen gelernt hat, kann tatsächlich kaum begreifen, wie die Vernichtung eines solchen ökologischen Schatzes politisch gewollt sein kann.

Impressionen vom Vogelspaziergang.

Fotos: Alexandra Werdes


Hamburgs Grün wird weniger: Wieder mehr Fällungen
von Straßenbäumen als Nachpflanzungen

NABU wertete Baumfällsaison 2017/2018 aus

Am 28. Februar endete die Fällsaison für Bäume in Hamburg. Der NABU Hamburg hat nun die Angaben zu den Fällungen in den sieben Bezirken ausgewertet, in diesem Jahr mit einem besonderen Blick auf die Straßenbäume.

Es ist wieder eine ernüchternde Bilanz. Der Trend der vergangen Jahre setzt sich fort, dass an Hamburgs Straßen immer weniger Bäume stehen.  In den letzten Jahren wurden pro Saison um die Tausend Bäume gefällt, in diesem Jahr sind es mit 946 ähnlich viele. In folgenden drei Bezirken wurden die meisten Stämme abgesägt: Altona (224), Mitte (187) und Bergedorf (140). 
Weitere Auswertung der Bezirke unten.

Der Verlust von Straßenbäumen, vor allem der Wegfall von älteren Bäumen, ist besonders beklagenswert.
Häufig fallen die Bäume Umbaumaßnahmen von Straßen zum Opfer. Wenn Straßen, Rad- oder Fußwege mehr Platz erhalten, ist für Ersatzpflanzungen an gleicher Stelle anschließend oft kein Platz mehr vorhanden.

Der Verlust von Straßenbäumen ist ein trauriger Beitrag zum Grünverlust in unserer Stadt.
Bäume tragen zur Lebensqualität und zur Gesundheit im Großstadtalltag bei. Sie brauchen Raum und
Pflege. Ihr Verlust schmerzt. Der NABU fordert deshalb auch mit Blick auf die Straßenbäume, dass Hamburgs Grün erhalten bleiben muss.

Die diesjährige Auswertung der aktuellen Fällstatistiken hat ergeben, dass etwa 2/3  der Fällungen
ältere Straßenbäume betreffen (gezählt wurden Bäume mit einem  Durchmesser des Baumstamms
über 30 cm auf 130 cm Höhe). Zwar sollen 633 Bäume wieder nachgepflanzt werden, also knapp 2/3 der gefällten Hölzer,  jedoch kann ein junger Baum einen alten mit großer
Blätterkrone in seinen ökologischen Funktionen und in seiner Wirkung im
Stadtbild nicht ansatzweise ersetzen. Er weist unter anderem nicht die  gleiche Robustheit
gegenüber Krankheiten und Luftverschmutzung auf wie ein alter, fest verwurzelter Baum. Und nicht jeder neu gepflanzte Baum wächst auch zwingend an. Das Risiko ist sehr hoch, dass heute
neu gepflanzte Bäume nicht mehr das Alter der jetzigen Straßenbäume erreichen
und sich damit langfristig sowohl die Stadtökologie als auch das bislang grüngeprägte Stadtbild verändert.
Daher ist es umso wichtiger, dass Straßenbäume erhalten bleiben und dieser Erhalt in der
Planung und Abwägung ein höheres Gewicht bekommt.

Wenn Bäume gefällt und ersetzt werden, muss zwingend darauf geachtet werden,
dass ausreichend Entwicklungsraum, insbesondere im Wurzelraum, eingeplant wird. Eine Pflanzgrube von mindestens 12m³ pro Baum ist dafür unter
anderem notwendig. Diese darf nicht aus Kostengründen kleiner geplant werden, sonst erreicht kaum ein junger Baum noch das Lebensalter seines gefällten Vorgängers.

Jeder von uns freut sich jetzt auf den Frühling und sehnt sich nach mehr Grün. Es ist daher tragisch,
dass immer mehr Bäume aus dem Straßenbild verschwinden. Insbesondere von alten Straßenbäumen profitieren die Stadtnatur und ihre Bewohner einschließlich wir Menschen. Für ihren Erhalt muss daher viel
mehr getan werden. Mit der ersatzlosen Fällung von Straßenbäumen fehlen wichtige ausgleichende Funktionen, die Bäume in der Stadt übernehmen wie zum Beispiel Lärmschutz
und Luftverbesserung. Ersatzpflanzungen an Straßenzügen reichen nicht aus, um den Verlust 1:1
auszugleichen. Der NABU fordert, dass der Wert von alten Baumbeständen erkannt wird und
entsprechend bei der Straßengestaltung erhaltend integriert wird.

Auswertung der Straßenbaum-Fällungen 2017/18 für alle sieben Bezirke Hamburgs:

Vordere Zahl: Fällungen/hintere Zahl: Nachpflanzungen

Bezirk Altona: 224 /126

Bezirk Bergedorf: 140/92

Bezirk Eimsbüttel: 110/47

Bezirk Harburg: 103/51

Bezirk Mitte: 187/174

Bezirk Nord: 58/58

Bezirk Wandsbek: 124/85

(Quelle: HamburgService Online-Dienste der sieben Bezirksversammlungen,
Fälllisten der Bezirke, Stand 06.03.2018)

Links:
——
[1] http://www.NABU-Hamburg.de/Multitalent_Baum.jpg
[2] http://www.NABU-Hamburg.de/Baumfaellungen_1.jpg


„Dort hängen die Bäume voller Tränen“

Impressionen vom Flut-Rundgang am 17. Februar 2018

Gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen erinnerten die Waldretter daran, dass der Pionierwald am Ernst-August-Kanal nicht nur ein wertvolles Stück Natur ist, sondern auch eine historische Bedeutung besitzt.

Flut-Rundgang am 17.02.2018. Foto: Heinz Wernicke

Die heutige Gestalt der Ufer und des Geländes rund um den Ernst‐August‐Kanal ist die unmittelbare Folge eines Ereignisses der jüngeren Wilhelmsburger Geschichte: Am Spreehafen brachen bei der Flut am 16./17. Februar 1962 mit entsetzlicher Schnelligkeit die Deiche. Wo heute der Park am Kanal ist, lebten damals Menschen in  Gartenlauben und Behelfsheimen, so tiefliegend, dass das Wasser nach den Deichbrüchen mit großer Macht einströmte wie in eine Badewanne. Eine Katastrophe, die zahlreiche Menschenleben kostete.

In der Folge wurden Teile des Überflutungsgebiets zu einem Park gestaltet, andere seit 1962 in Ruhe gelassen. So entstand unter anderem der naturbelassene Pionier‐Auwald.

„In dem Wald hängen die Bäume voller Tränen“, sagte Zeitzeugin Rita Wodniczak, „und auf jeder Träne steht ein Name.“ Wie viele ältere Menschen aus Wilhelmsburg kann sie sich noch genau an jene Nacht erinnern – und wie derzeit manch andere ist es ihr ein Anliegen, auf die besondere Geschichte des zukünftigen Baugrunds für das geplante „Spreehafenviertel“ aufmerksam zu machen. Ihrer Ansicht nach sollte der Wald als natürlicher Gedenkort unbedingt erhalten bleiben. Auf unserem Blog hat Rita Wodniczak dazu einen Offenen Brief an die Bebauungsplaner geschrieben.